Technische Indikatoren - Übersicht In der Chartanalyse von Aktien werden technische Indikatoren eingesetzt, um eine bestimmte Kursentwicklung anzuzeigen. Weil es zur Grundphilosophie der technischen Analyse gehört, nur direkte Börsendaten zu verwenden (beispielsweise Kurse), können für Errechnung eines technischen Indikators auch nur solche Daten herangezogen werden. Das Ziel der meisten Indikatoren ist die Anzeige von Kaufsignalen und Verkaufssignalen.Gleitende Durchschnittslinie (GDL)Die gleitende Durchschnittslinie wird mit GDL abgekürzt und gehört zu den Trendindikatoren in der Chartanalyse. Es handelt sich dabei um die (geglättete) Kursverlaufslinie, die dadurch ermittelt wird, dass man die Kurse einer festgelegten Anzahl (zum Beispiel 30, 90, 100, 200) zurückliegender Tage addiert und durch die Anzahl dieser Tage dividiert. Je länger der gewählte Zeitraum ist, desto größer ist die Verzögerung, mit der diese Linie reagiert. Je weniger Tage für die Berechnung herangezogen werden, umso enger ist der Verlauf der gleitenden Durchschnittslinie an den Kursen entlang. Die GDL verläuft also moderater als der tägliche Kursverlauf – sie hinkt dem Kurs quasi hinterher. Auf diese Weise werden Bewegungen im Kurs geglättet und der Trend wird mit der gleitenden Durchschnittslinie je nach Gefälle oder Steigung erkennbar.MomentumDas Momentum wird anhand der fortgeführten Division des heutigen Kurswertes mit dem vor x Tagen errechnet. Die Ausprägung der Momentumskurve steht in Abhängigkeit von der verwendeten Periodenlänge (x Tage). Häufig wählen Chartisten für die Berrechnung eine Periode von 20 Tagen aus. Eine Momentumskurve bringt eine Trendumkehrung zum Ausdruck und erlaubt Rückschlüsse über das Tempo und die Kraft der momentanen Kursbewegung. Ein besonderes Merkmal der Momentumskurve ist, dass sie ebenfalls selbst wie ein Chart einer Analyse unterzogen werden kann. – So legen einige Analysten beispielsweise Trendgeraden in die Momentumskurve und erkennen so bei einem Durchbrechen der Trendgerade ein Kaufsignal oder Verkaufssignal. Treten im unteren Bereich der Momentumskurve Wendepunkte auf, so können diese als Kaufsignale interpretiert werden. Im Gegensatz dazu sind Wendepunkte im oberen Bereich der Kurve als Verkaufssignale zu betrachten. Das Durchbrechen der Null-Linie (Oszillatorachse) kann ebenfalls als entsprechendes Signal gewertet werden.Relative Stärke (RS)Der Relative-Stärke-Indikator oder kurz: RS dient zur Messung des Kursverhaltens eines Einzeltitels im Vergleich zum Kursverhalten des Gesamtmarktes, der durch einen Aktienindex verkörpert wird. Dazu wird für eine festgelegte zurückliegende Periode die Kursveränderung in Prozent auf der einen Seite für die Aktie und auf der anderen Seite für den Aktienindex berechnet. Je größer der Relative-Stärke-Wert ausfällt, umso stärker ist die Aktie im Vergleich zum Aktienindex gefallen oder gestiegen. In erster Linie stellt die RS also dar, ob sich die Aktie schwächer oder stärker als der Aktienindex bewegt.Relative-Stärke-Indikator nach Welles Wilder (RSI Wilder)Der auch häufig verwendete Relative-Stärke-Indikator nach Welles Wilder stellt eine besondere Variante des Momentums dar. Der Ansatz von Wilder liegt darin, für jede Aktie Relativwerte zu ermitteln und auf diese Weise auch unterschiedliche Aktien miteinander vergleichbar zu machen. Beim RSI Wilder wird der Wertbereich deshalb normiert – er liegt prinzipiell in dem Intervall zwischen 0 und 100. Bei der Berechnung des RSI legt Wilder immer eine Zeitspanne von 14 Börsentagen zugrunde. Inzwischen haben sich jedoch auch Werte wie beispielsweise neun oder elf Börsentage durchgesetzt. Das Überschreiten der 70%-Linie als Indikation für das nahende Ende eines Aufwärtstrends und das Unterschreiten der 30%-Linie als Signal für eine Indikation für eine Umkehr des Abwärtstrends gehören zu den bedeutendsten Marken, die beim RSI Signale geben sollen.TrendoszillatorDer Trendoszillator ist das Ergebnis aus dem prozentualen Abstand der Kurse von einem frei wählbaren gleitenden Durchschnitt. Damit zeigt der Trendoszillator die Bandbreite an, in der der Kurs bislang von seinem „Trend“ (dem gewählten gleitenden Durchschnitt) abgewichen ist. Häufig verläuft der Kurs für längere Zeit innerhalb einer Bandbreite. Wenn die Oszillatorkurve im unteren Bereich angekommen ist und wieder nach oben dreht, muss man demnach versuchen zu kaufen, um eine Ausnutzung des Trendkanals zu erreichen. Bei einem Verkauf unter Ausnutzung der Trendkurve wartet man dementsprechend ab, bis die Oszillatorkurve im oberen Bereich angekommen ist und wieder nach unten dreht. Der Trendoszillator ist deshalb vor allem bei seitwärts errichteten Entwicklungen des Kurses ein probates Instrument für das vornehmlich kurzfristige Trading. Der Trendoszillator wird gelegentlich ebenfalls mit dem Ausdruck „Relative Stärke nach Levy“ bezeichnet.OBOS-Oszillator / Überkauft-/Überverkauft-IndikatorDer OBOS-Oszillator oder auch Überkauft-/Überverkauft-Indikator stellt Börsensituationen dar, in denen ein überkaufter beziehungsweise überverkaufter Markt vorliegt. Wenn der Markt durch erheblich Käufe überkauft ist, kommt es anschließend häufig zum Start einer Verkaufswelle, in der die Kurse wieder zurückfallen. Durch einen überverkauften Kurs durch massive Verkäufe, wird eine Kaufwelle ausgelöst, die einen erneuten Kursanstieg zur Folge hat. Der OBOS-Oszillator versucht diese Marktsituationen aufzuzeigen. – Ein Kursrückgang ist bei Werten über neunzig Prozent zu erwarten, Werte unterhalb von zehn Prozent deuten auf eine Steigerung der Kurse hin.StochastikDie Basis für den Hoch-Tief-Schluss-Stochastik-Indikator bildet die Beobachtung, dass die Kurse ansteigen, wenn die Schlusskurse dichter an den Tageshöchstkursen angesiedelt sind. Dementsprechend kann ein Rückgang der Kurse erwartet werden, wenn die Schlusskurse sich mehr zu den Tagestiefstkursen hin orientieren. Der Stochastik-Indikator misst das Verhältnis der Schlusskurse zu den Höchstkursen und Tiefstkursen. Es kann festgestellt werden, dass die Häufigkeit der richtigen Stochastik-Signale in einem eindeutig beginnenden Aufwärtstrend oder Abwärtstrend sehr groß ist. – Der Indikator liegt dabei umso eher richtig, je steiler der Winkelgrad der Bewegung ist. Im Rahmen der Interpretation sollte man auf Divergenzen zwischen der Stochastik-Linie und dem Kursverlauf achten, weil diese eine Signalwirkung auf einen anstehenden Trendwechsel aufweisen.Advance-DeclineDie Advance-Decline-Linien auch: A/D-Linien oder A/D-Balken sind zur quantitativen Erfassung und Beurteilung der Situation des Gesamtmarktes geeignet. Üblicherweise wird der Advance-/Decline-Chart aus der Differenz der Anzahl gestiegener Aktien zu den gefallenen Aktien erzeugt. Die Charts zeigen nur die Anzahl der gefallenen, unveränderten und gestiegenen Aktien in Prozent an, geben jedoch keine Auskunft über den Wert der Kursveränderung. Hauptsächlich sollte die A/D-Darstellung in Verbindung mit einem Aktienindex zur Bestätigung der Richtigkeit des Trends betrachtet werden.On-Balance-Volume (OBV)Die On-Balance-Volume-Linie nimmt Bezug auf die Umsatzzahlen der Aktie. Ausgeprägtes Abgeben beziehungsweise Aufkaufen von Aktien schlägt sich unweigerlich in einem veränderten Handelsvolumen nieder, welches der OBV-Indikator daher als Berechnungsgrundlage nutzt. Das absolute Niveau der OBV-Linie hat keine Bedeutung. Wenn die Kurslinie und die OBV-Linie nicht den gleichen Verlauf haben, ergibt sich ein Signal. Bei einer Kurssteigerung und einem gleichzeitigen Abfall des Handelsvolumens über einen längeren Zeitraum, kann angenommen werden, dass die Kurse bald fallen werden (fallende OBV-Linie). Wenn der Kurs sinkt, das Handelsvolumen jedoch über einen längeren Zeitraum ansteigt, kann von einem baldigen Kursanstieg ausgegangen werden (steigende OBV-Linie).CoppockDer Coppock-Indikator ist ein veränderter, linear gewichteter gleitender Durchschnitt. Die prozentualen Veränderungen im Kurs des Wertes dienen als Datenpunkte. Dabei wird eine Vielzahl von x-Tagesveränderungen herangezogen. Am stärksten gewertet wird der neueste Wert, am wenigsten der letzte Wert der der x-Tageperiode. Der Coppock-Indikator ist das Ergebnis der Summe aller Produkte dividiert durch die Anzahl der Tage. Man kann den Coppock analog den gleitenden Durchschnitten verändern, weil er als Trend-Folge-Indikator ausgelegt ist. Wenn der Coppock in Anschluss an einen längeren Rückgang nach oben dreht, ist dieses als Kaufsignal zu werten. Umgekehrt entsteht ein Verkaufssignal, wenn der Coppock nach längerem Steigen wieder nach unten dreht, wobei die Umkehr oberhalb der Null-Linie einsetzen muss. Kaufsignale geben Anlass zu einer umgehenden Reaktion, während man bei Verkaufssignalen ruhig noch etwas abwarten kann.Climax (CLX)Mithilfe des Climax-Indikator oder kurz: CLX wird der Gesamtmarkt beurteilt. Man errechnet dazu aus einer Anzahl den Markt repräsentierender Aktien für jede Aktie den On-Balance-Volume-Wert. Anschließend zieht man die Anzahl der Aktien, die einen neuen OBV-Höchstwert haben von der Anzahl der Aktien, die einen neuen OBV-Tiefstwert aufweisen, ab. Durch eine kontinuierliche Fortsetzung dieser Rechnung erhält man die Climax-Linie. Der Verlauf des Aktienindex und der Climax-Linie sollten Handelssignale erkennbar machen beziehungsweise Auskunft darüber geben, wie die technische Stärke der Kursbewegung zu bewerten ist. Wenn beide Linie in entgegengesetzte Richtungen verlaufen, kann daraus eine technische Schwäche abgeleitet werden.DemandBerechnet wird der Demand-Index (Nachfrage-Index) aus Volumendaten und Kursdaten. Mithilfe des Demant-Index soll die Vorwegnahme von Wechseln im Kursverlauf ermöglicht werden. Man ging bei der Konstruktion des Demand-Index von der Beobachtung aus, dass die Wechsel im Volumen häufig vor den Trendwechseln der Kurse auftreten. Diese Grundüberlegung ist einleuchtend, weil der Kurs von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Aus einer größeren Kaufkraft resultieren steigende Kurse, ein größerer Verkaufsdruck zieht dagegen einen Kursabfall nach. – Dementsprechend ist der Demand-Index der Quotient aus Kaufkraft durch Verkaufsdruck. Der Verlauf des Aktienkurses und die Demand-Index-Kurve sollen Handelssignale sichtbar machen, beziehungsweise Auskunft darüber geben, wie die technische Stäke der Kursbewegung zu beurteilen ist. Wenn die Linien entgegengesetzte Richtungen einschlagen, ist ein Rückschluss auf eine technische Schwäche möglich. Üblicherweise folgt auf eine extreme Spitze im Demand-Index ein weiterer Kursanstieg zu einem neuen Hoch. Wird die Demand-Index-Linie durch ihren Trend durchbrochen so ist dieses als Trendwendesignal für den Kurs anzusehen.
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